Nach einer viel wärmeren Nacht im Bus als gedacht, gab’s erstmal Frühstück. Fast schon ein Gourmet-Frühstück: wachsweich gekochte Eier, Müsli (voll der Beschiss – da steht Schoko-Pistazie und beides muss man suchen!) und, ganz wichtig, Soft Cake – yummy! Wenn das nicht mal ein ausgewogenes Frühstück ist, das perfekt auf eine Wanderung vorbereitet. Spülen, Zähne putzen, Umziehen, Bus fahrfertig machen, Rucksack packen los geht’s. Ach ne, halt stopp: das Stromkabel sollten wir auch noch abmachen. Jetzt aber! Auf nach Scheibe – irgendwo hinter Schön und Boden (grandiose Ortsnamen, wenn ihr mich fragt).

Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, warum Nico auf einmal so anders klingt – vielleicht auch nicht. Dann überspringt ihr einfach den Absatz und tut so, als wär nichts gewesen. Für alle anderen: It’s me, hi, I’m Dési – die Freundin aus’m Allgäu. Am Ende der Wanderung hat Nico mir offenbart, dass ich doch den Blogeintrag schreiben solle. Nagut, er ist Auto gefahren, hat beide Wanderungen geplant, den Rucksack getragen, … dann übernehme ich wenigstens den Blog.
Überall sind Pilze

In Scheibe angekommen, stellten wir den Bus am Straßenrand ab. Los geht’s über die Brücke und dann direkt hoch. Keine Schonung für mich: keine entspannten paar Hundert Meter in sanfter Steigung zum Eingrooven. Nein, direkt voll rein.

Der Steig zur Arzler Alm hoch war anstrengend (also zumindest für mich, Nico war tiefenentspannt), aber auch unglaublich schön. Durch dichten Wald schlängelte sich unser Weg nach oben. Neben Heidelbeeren und Preiselbeeren zeigten sich aus dem sattgrünen Moos immer wieder Pilze: Täublinge, Fliegenpilze, Boviste, Steinpilze und jede Menge Maronen. Am liebsten hätte ich sie eingesammelt. Die beiden Pilzsammelnden, denen wir begegnet sind, waren sicher ganz okay damit, dass ich das nicht getan habe.


Nach zirka 1,5 h sind wir an der Arzler Alm angekommen. Kurz auf’s Klo und dann geht’s weiter.



Freiheit
Nach einem weiteren kurzen Weg durch den Wald, kamen wir oberhalb der Baumgrenze raus.

Freie Sicht auf die vor uns liegende Weite, die umliegenden Berge und zum ersten Mal konnten wir unser Ziel sehen: das Kreuzjoch. Während des restlichen Weges bis zum Gipfel konnten wir bereits diese wunderschöne Aussicht genießen. Auf dem Weg mischte sich nun Heidekraut unter die Preisel- und Heidelbeeren. Für die Blüte waren wir leider noch zu früh.


Unterwegs begegneten wir noch zwei Pferden, die sich perfekt in die malerische Landschaft einfügten. Der Weg war nun angenehm: am Hang entlang ging es langsam, aber stetig weiter Richtung Gipfel. Dann der letzte Anstieg – nochmal anstrengend, aber jeder Schritt bringt mich näher an das direkt vor meinen Augen liegende Gipfelkreuz.


Oben angekommen spüre ich das Gefühl, das mich immer umgibt, wenn ich auf einem Berg stehe: Vollkommene Freiheit. Der Anblick der mächtigen Berge, die absolute Ruhe, die vielen Wunder der Natur, die mich überkommende Gelassenheit, das Bewusstsein für die Nichtigkeit scheinbarer Probleme, das Alleinsein an einem so besonderen Fleck der Erde – das ist mein Grund, wandern zu gehen.


Der Hunger ruft
Nach ungefähr einer halben Stunde auf dem Gipfel sagte mir mein Hunger ziemlich deutlich, dass wir doch bitte runter zur Tiefentalalm gehen sollen. Also auf, auf. Dési ist motiviert: Almessen ist immer geil; der Hunger steigt. Mit der Grundlage (oder eigentlich ja ohne Grundlage) geht’s bergab. Erst am Hang entlang nach unten, dann am Gletscherbach entlang bis zur Alm.


Der Anblick war mal wieder wunderschön. Der kleine Fluss bahnt sich seinen Weg vom Berg hinab durch das satte Grün. An der Alm gibt’s Kässpätzle – und Kopfschmerzen.

Quälender Rückweg
Nach dem Essen ging es wieder durch den Wald zur Arzler Alm, um von dort aus wieder abzusteigen.

Auf dem Weg dorthin wurden meine Kopfschmerzen immer stärker. Außerdem kamen Bauchkrämpfe hinzu – was soll das denn jetzt? Obwohl der Weg von Alm zu Alm wieder sehr schön war, konnte ich mich nicht mehr so richtig daran erfreuen. Endlich waren wir an der Arzler Alm angekommen. Von hier aus sind es noch ungefähr 45 Minuten. Aber trotz Ibu bleiben die Schmerzen und werden teilweise sogar schlimmer. Dadurch brauchen wir länger beim Abstieg und kommen erst um Viertel nach Sechs am Bus an.
Belohnung am Abend
Zurück am Campingplatz haben die Schmerzen endlich nachgelassen. Jetzt schnell duschen und dann los zum Campingplatz-Restaurant, in dem wir am Tag zuvor einen Tisch reserviert hatten. Hier gibt’s fangfrischen Fisch. Unglaublich lecker und für mich als Foodie eine super Belohnung für die Anstrengung des Tages.

Trotz Schmerzen war es ein unfassbar schöner Tag. Nach meinen letzten drei Wochen Vietnam, die geprägt waren von vielen Menschen, Gestank, Lautstärke und einer Reizüberflutung nach der anderen, hatte ich endlich wieder Natur, Ruhe und Alleinsein.
Danke, Nico, dass du mich so spontan mitgenommen hast und mir die Möglichkeit zum Runterkommen gegeben hast.
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