Wetter? Naja.

Ich habe nachts nicht gefroren. Das Fußteil des Schlafsacks war in Désis Schlafsack, sonst war ich einfach nur mit Langlaufunterwäsche in meinem +6°C Comfort Schlafsack.

Dick eingepackt gehts los zum Bahnhof
Andermatt Downtown

Nach Frühstück und Co. packte ich meine Sachen und fuhr um 9:38 Uhr pünktlich mit dem Zug in 20 Minuten zum Oberalppass. Unten in Andermatt war es einfach nur bewölkt, der Oberalppass dann voll in der Wolke. Na toll.

Man sieht nichtmals das Ende vom Zug

Vor lauter kalt habe ich mir auch meine Skitourenhose angezogen. Wäre am Ende nicht nötig gewesen, aber geschwitzt habe ich damit auch nicht. Naja, oben jedenfalls eine Sichtweite von eher 30m, aber ich kannte mich ja schon aus und zog direkt los. Nach etwa einer halben Stunde wurde es langsam heller. Ich hatte Hoffnung, dass ich über die Wolken komme.

Es wird heller
die Wolken werden weniger

Üüüber den Wolken 🎶

Tatsächlich wurde die Sicht immer besser. Warm war es noch nicht, aber der Ausblick verspricht schon mal viel.

Oooh das könnte heute noch was werden 😀

Nach etwa 1:20 Std war ich am ersten Gipfel. Auf dem Weg hatte ich zwei Frauen und eine Familie überholt. Die beiden Frauen kamen gerade am Gipfel an, als ich wieder weg bin. Man sieht sich immer zweimal ;D

Pazolastock (2,739 m)

Ich zog weiter. Der Weg ist ein Teil der Quellenwege hier im Gotthardgebirge. Schließlich liegt die Rheinquelle auch auf meinem Weg. Bei der Planung habe ich gesehen, dass ich noch einen Gipfel abseits der Standardrunde mitnehmen kann.

weiter gehts

Den Abzweig dorthin habe ich beinahe verpasst, denn er ist nicht ausgeschrieben und der Weg auch nicht markiert. Aber (zumindest der Hochweg) gut sichtbar. Hier war dann wirklich niemand mehr. Nur ich alleine über den Wolken. Mittlerweile kam auch die Sonne raus. Gegen den Wind hatte ich immer die Regenjacke an, darunter aber nur T-Shirt und kurzes Unterhemd.

wieder etwas schwierig den Weg zu finden

Ich kam auf dem Gipfelplateau des Rossbodenstock auf 2837m an und es war einfach super schön. Besser geht’s nicht.

schöner gehts nicht
umwerfend.

Wo ist der Weg?

Ich genoss die Sonne an einer windgeschützten Stelle, aß meinen Apfel und einen Riegel. Kein Stress, kein frieren, premium Sicht. Das ist glaube ich Urlaub.

Rossbodenstock (2,837 m)

Es folgte der Runterweg. Oben waren viele Steine und ich konnte den Weg nur weiter unten als Weg identifizieren. Oben war es immer ein Suchen. Man erkennt den, oder besser einen, Weg immer erst, wenn man direkt davor steht. Es gibt sicher mehrere Möglichkeiten runter zu kommen, ich versuchte immer den zu wählen, der dem auf der Karte (GPS auf der Uhr) am nächsten kommt.

der Weg oft nur direkt vor den Fußen erkennbar

Kurze Zeit später war ich wieder in der Wolke, daher die Sicht beschränkt. Ich stand in einem großen Stein/Geröllfeld. Überall Felsen, ein Weg also nicht zu erkennen. Allerdings gab es die altmodische Art der Wegmarkierung: Steinmännchen/Steinhäufchen. Irgendeinen habe ich immer gefunden und mich so den Berg runter gearbeitet.

Die „Quelle“ des Rheins

Auf dem Weg sah ich ein paar schwarz/weiß-Ziegen (die vordere Hälfte weiß, dann ein harter Cut auf schwarzes Fell hinten) und Murmeltiere. Die sind hier nicht so braun wie ich sie von uns kenne, sondern eher grau, aber genauso flauschig.

 

Wo ist die Quelle?

Ich kam wieder am „Normalweg“ an. Neben mir ein See „Lai da Tuma“. Am anderen Ende ein Stein „Rheinquelle“. Na das hatte ich mir spektakulärer vorgestellt.

Joa, da bin ich also.

Zurück im Bus recherchierte ich nochmal: Natürlich gibt es mehrere Quellflüsse und irgendwo wurde dieser See als Hauptquelle benannt. Witzigerweise dachte ich mir beim Runterlaufen/Wegsuchen auch schon „dieser Bach neben mir fließt doch auch in den See, wie kann der See die Quelle sein?“. Und siehe da: Auf Wikipedia steht:

„Der Rein da Tuma entspringt allerdings bereits etwa 1,4 Kilometer oberhalb des circa 300 Meter langen Tomasees.“

AHA! Der kleine Bach war also die echte Rheinquelle und ich bin in quasi von Anfang an entlanggelaufen! Das beseitigte nun mein Gefühl der Enttäuschung, dass ich kein Rheinquellwasser in meine Flasche gefüllt habe. Dabei habe ich noch eine ganz andere Frage: Wenn diese Ziegen jetzt dort oben in die Rheinquelle pinkeln, pinkeln sie dann indirekt in die Nordsee? Ließe sich das messen? Und wenn ich jetzt dort ins Wasser fasse, bin ich dann leitend mit meiner Tante auf Langeoog verbunden? Genug dumme Fragen gestellt.

Der Bach da links ist der Rhein! So nämlich!

Ich hab sogar ein Video gemacht:

Rückweg und Abendplanung

Der Rückweg zog sich etwas, am Ende waren es 13,5km und gute 1000hm.

Bergab…
…zum Oberalppass

Glücklicherweise kam 20 Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof der nächste Zug und ich genoss die Zugfahrt bei nun etwas besserer Sicht.

Der Bahnhof

Die maximale Steigung, die der Zug hier fährt sind übrigens 11%. Das ist schon heftig steil.

Ein Zug der Schlangenlinien fährt
11% Steigung sind schon sehr viel für einen Zug

Zurück am Bus begann der normale Abendplan: Snacken, duschen, Abendessen machen, Rad vorbereiten, Blog schreiben.

Die Klos und Duschen sind im Gebäude der Bergbahn.
Die Bergbahn wurde 1963 errichtet und so siehts hier auch aus.
Aber die Duschen sind warm 🙂

Ich habe während dem Kochen/Essen mal die Standheizung angeschalten. Geil. Nach 20min wars echt warm im Bus und das nur auf Stufe 5 von 8 (oder 9).

Der Wetterbericht sagt morgen etwa 3°C wärmer als heute. Geil 13°C. Das wird ne kalte Radfahrt, hoffentlich hat er wenigstens Recht und ab Mittags kommt auch die Sonne mal raus.

Abends noch die Kette neu gewachst…
mein neues Rad tut mir leid…

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