Zügiges Frühstück

Gestern Abend hatte ich schon damit gerechnet, dass mir die Tour heute noch in den Beinen stecken wird, daher habe ich beschlossen morgens zügig zu machen, sodass ich heute absolut kein Zeitstress auf der Runde haben werde. Zwar ist die geplante Runde über den Arlberg Richtung Bludenz und zurück über die Silvretta Hochalpenstraße (bzw. den Kops Stausee) mit 140km und 2500hm kein absoluter Brecher, aber auch kein easy ride. Mit 7 Stunden sollte ich schon rechnen.

In der Früh wieder Sonne

Kurz vor Abfahrt stellte ich fest, dass meine Rechnung „4 Gels pro Urlaubstag“ nicht aufging. Eigentlich rechne ich pro Tour ein Gel pro Stunde, also heute 7 Stück, das wäre mein restlicher Vorrat. Also weniger Gels mitgenommen, dafür eine Tüte Gummibärchen, Riegel und Kokos-Dattel-Energy-Balls aus meiner Riegelkiste.

Bekannte Straßen

Um halb 10 gings los. Erstmal entspannt den Arlberg hoch. Die Strecke kannte ich bisher nur bergab. Und von der heutigen Abfahrt kannte ich auch nur die ersten Kilometer. Am Anstieg bekam ich Unterhaltung und konnte beobachten, wie mit einem Helikopter Strommasten abgebaut wurden. Beeindruckend.

Ein fliegendes Strommast-Teil

Von der Passhöhe ging es erstmal ca. 1200hm bergab und das nur mit ein paar Kehren, sonst überwiegend geradeaus mit leichten Kurven. Meine Bremsen haben sich gefreut heute mal nicht glühen zu dürfen.

Passhöhe Arlbergpass

Irgendwann sah ich ein Schild „Bregenz 40km“. Da dachte ich „hmm, ich würde jetzt wahrscheinlich ohne Navi nach Hause finden und das wäre sogar Kilometer und Konditionstechnisch drin“. Wieder wurde mir bewusst, dass ich nur etwa 1,5 Autostunden entfernt von Zuhause bin. Für mich ging es aber weiter nach Südosten das Montafon entlang.

Die Ampel hat sich wohl heute frei genommen und musste durch den Menschen ersetzt werden

Auf die Tour kam ich über Strava-Flybys der Lechtalrunde mit Vale von ein paar Wochen. Dort sind wir Leuten begegnet, die diese Runde gefahren sind. Als ich sie gestern Abend dann mit komoot geplant habe, habe ich schon gesehen, dass es sehr viele Radwege gibt, aber, dass es so schön wird, hätte ich nie gedacht. Außer den Arlberg hoch und runter, war ich fast ausschließlich auf super Radwegen abseits von befahrenen Straßen unterwegs. Ein absoluter Traum.

Radweg Montafon
Snack-Pause bei ziemlich genau Kilometer-Halbzeit
Weiter über den super Radweg
am unteren Stausee vorbei

Die Wand am Talende

Es ging zwar das ganze Montafon bergauf, aber immer nur in moderater Steigung, sodass das nicht so aufgefallen ist. Ganz zum Schluss fehlten aber noch gut 800hm auf 8km hoch zum Kops Stausee. Leider ist die Silvretta Hochalpenstraße bis 2030 wegen Umbauarbeiten infolge eines Felssturzes gesperrt. Das hat aber den Vorteil, dass dort kein Autoverkehr möglich ist, außer für Berechtigte.

an die Geschwindigkeitsbegrenzung sollte ich mich halten können

Der „Güterweg“ zum Stausee hoch ist eine etwa eine Autobreite breite Straße. Achja, steile Straße. Es gab längere Stücke, wo die Steigungsanzeige nie unter 18% gefallen ist. Erster Gang und aus dem Sattel, das hatte ich den Urlaub noch nicht. Die Oberschenkel brannten. Aber Steil ist geil.

auf Bildern sieht man die Steigung immer nicht…
Die Staumauer ist erkennbar, das Ziel somit in Sicht

Mich überholte ein Fahrzeug der örtlichen Elektrizitätswerke. Oben am Stausee angekommen, hielt ich an und genoss den Ausblick. Ein Typ sprach mich an: „du warst aber schnell oben“. Ich guckte ihn verwirrt an und fragte, wo wir uns gesehen hätten, denn mir kamen nur MTBler entgegen. Er war im Auto der E-Werke. Ein Lob von einem Local. Nice.

Die Staumauer war übrigens zum Zeitpunkt der Errichtung die größte Staumauer Österreichs. Das Speicherkraftwerk ist mit über 500 MW Leistung eines der größten in Österreich.

Der Kops Stausee
der zweite kleinere See dahinter
Die Autostraße…
…und hier der Fahrradweg ins Tal

Besser kann ein Radweg nicht sein

Es ging das Paznauntal hinunter. Ich folgte den Radwegschildern, denn komoot hatte ich gestern zwar bemüht beizubringen, dass es doch bitte auf Radwegen fahren soll, aber es wehrt sich dagegen. Und bisher war alles geteert, also wird das wohl so weiter gehen. Und es ging so weiter. Der Radweg schlängelte sich wunderschön am Fluss entlang Talabwärts.

Traumhafter Radweg

Erst gegen Talende musste ich auf die Straße. Hier hat komoot dann einen echt dämlichen Fehler gemacht. Es wollte ich eine mindestens 20%ige Steigung mit Schotter hoch schicken. Wie kann das denn passieren? Naja, es gibt auch eine Straße außenrum.

da rechts soll ich hoch?!
wenigstens war die Brücke schön anzusehen ;D

Jetzt meinte mein Garmin eine Comedy-Show abzuziehen, denn als er die Route neu berechnete wurden aus den vorher 14km Restkilometern plötzlich 139km. Länger als die gesamte Runde. Dazu nochmal 4400hm. Ja, super Routenneuberechnung Garmin. Statt einfach über 2km Umweg wieder auf die Originalroute zurück routen, einfach mal eine Reise quer durch Österreich planen. Erst ca. 300m bevor ich wieder auf der Originalroute war, hat er gecheckt, dass es wohl keine (bis dahin 141km) langen Weg gibt, sondern das Ziel auch in 14km erreicht werden kann.

Diese kleine Unterhaltung hat mir das Ende etwas schmackhafter gemacht, denn ich wusste es wird zäh am Ende nochmal 300hm bergauf auf einer Straße fahren zu müssen.

Abendessen im Sonnenuntergang

Bilanz

Ich war schneller als gedacht. Nur 6:15 Std Fahrzeit und 7:10 Std insgesamt unterwegs. Und diesmal auch mehr Kalorien als üblich zu mir genommen. Zumindest auf der ersten Hälfte. Da hatte ich die Tüte Gummibärchen und ein CliffBar gegessen. Das sind fast 1000kcal, auf der zweiten Hälfte kamen dann nur noch die Kokos-Dattel-Bällchen und ein Gel dazu, das sind ca. 700kcal. Am Abend kamen dann noch die übliche Packung Manner, Riesen, Laugenzopf, 200g Nudeln mit veganer Bolognese dazu. Nach wie vor fast nicht möglich die über 5000kcal zu essen, aber ich dürfte nicht zu sehr ins Defizit fallen, wie letzten Urlaub. Zudem ist morgen Regen-Reise-Ruhetag angesagt.

irgendwie ist Essen machen immer Chaos ;D

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