Sonne zum Frühstück

Nachdem die Tour heute nicht allzu lange dauert, hatte ich keinerlei Stress am Morgen. Bereits der erste Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass bereits die Sonne scheint und ich gleich in der Sonne frühstücken kann. Einen solchen Luxus hatte ich den ganzen Urlaub noch nicht.

Nachdem ich sonst nichts zu tun habe, hab ich nach dem Frühstück, Zähne putzen, etc. auch schon begonnen mich für die Tour fertig zu machen. Bike & Hike/Run erfordert etwas mehr Packen. Das Ziel konnte ich bereits vom Campingplatz aus sehen. Richtig cool.

Langweiliger Forstweg
Ich bin losgefahren und schon nach 300m schickte mich komoot auf einen Weg der nicht existiert. Naja, man konnte gut drum rum fahren. Sowas passiert auch nur mit dem MTB, mit dem Rennrad muss man komoot manchmal auf (geteerte!) Radwege zwingen.

In einem Kommentar auf komoot habe ich auch gelesen, dass der Weg wohl auch sehr steil ist, denn auf die Frage „Kann man da auch mit dem Rad ein Stück hoch?“ war die Antwort „kann man schon, ist aber stellenweise steil, ich habe teilweise geschoben“. Mental war ich also auf Livigno-Steilheit eingestellt. Offensichtlich war der Dude wohl noch nicht in Livigno, denn hier war es steil, aber nicht super steil. Knapp 16% maximal, das geht ja sogar mit dem Rennrad ;D

Wenn ich E-Bikes einen Vorteil abgewinnen will, dann wäre das, dass man mit einem Bio-Bike mittlerweile echt auffällt und von Wanderern lobende Blicke und Aussagen wie „oh ohne Strom“ oder „Respekt, das ohne E-Bike!“ zu hören bekommt.

Naja, nach ca. einer Stunde war ich von 1200m auf 1820m hoch gefahren und zog mich um. Am Abzweig zum Wanderweg standen noch fünf weitere Fahrräder. Natürlich alles E-Bikes.


Gesteigerte Schwierigkeit
Der Weg begann im Grünen mit ein paar Felsen. Bald wurde es steiler und felsiger. Der Weg teilte sich. Ohne Wegweiser und beide Wege waren klar ersichtlich und markiert. Ich entschied mich auf der geplanten Route zu bleiben. Nach 39min passierte ich die Edmund-Graf-Hütte.


Ab hier waren 2 Stunden zum Gipfel ausgeschrieben. Ab dem Ort vom Campingplatz übrigens 6 Stunden.

Der Weg ging erst noch normal weiter, nach ca, 1,5km erhöhte sich die Schwierigkeit. Es ging in einem Geröllfeld mit einigen Felsen bergauf. Meistens steil, oft rutschig, weil nur lose Felsen. Zwischendurch auch mal ein kurzes stahlseilversichertes Stück.


Mir kam ein Pärchen entgegen, die mir mitteilten, dass sie eine Jacke verloren haben, falls ich sie sehe, soll ich sie mitbringen. Leider habe ich sie nicht gesehen 🙁


Was ich spätestens kurz nach der Hütte, also nach ca. 600hm gemerkt habe, ist, dass meine Berglauf-Ausdauer nicht da ist, wo ich sie gerne hätte. Aber woher auch. Für mein Gewissen hab ichs mal auf die Höhe geschoben. Schließlich war ich da schon auf 2500m.
Ab ca. 2800m wurde es windiger. Bisher war ich nur im T-Shirt unterwegs. Jetzt kam zumindest mal ein Stirnband und ein Buff dazu. So war es auch die letzten Meter bis zum Gipfel aushaltbar.

Unerreichbares Kreuz
Ziemlich genau nach 2 Std. Laufzeit ab dem Fahrrad war ich am Gipfel. Trotz einiger Pausen (weil Trinken, weil Gel, weil aus der Puste). Oben traf ich auf einen Bergsteiger mit dem ich mich etwas unterhalten habe.

Wir waren auf dem Südgipfel. Das Kreuz steht auf dem Nordgipfel. Der überstieg ist aber nur mit Klettern möglich, da hat mir ein Blick genügt, dass ich das nicht machen werde. Schade eigentlich.


Nach kurzem Schnack und Umziehen trat ich den Rückweg an. Jetzt kommt der spannende Teil: Was sagt mein Knie zu 1300hm technisch bergab laufen.

Auf dem Runterweg habe ich natürlich wieder ein paar Leute eingeholt oder sie kamen mir entgegen. Besonders aufgefallen ist mir ein Dude mit Lidl-Jutebeutel statt Wanderrucksack und ein Pärchen, wo sie mit der Geröllsituation ziemlich am Limit war.

Mir gibt das immer etwas Selbstvertrauen, dass ich offenbar recht trittsicher bin, wenn ich mit meinen abgelatschten Ultra-Trailrunning Schuhen, die nie ein aggressives Profil hatten, trotzdem weniger rutsche, als die mit ihren LaSportiva Zustiegsschuhen. Ich hoffe die beiden Übernachten auf der Hütte, denn wenn die noch bis ins Tal laufen wollen, dann sind sie noch eine ganze Weile unterwegs.

Es ging wieder an der Hütte vorbei, wo mich die meisten (den Blicken nach zur urteilen) für verrückt hielten und danach auf dem anderen, alternativen, Weg nach unten. Das wäre zum Hochlaufen auch schöner gewesen. Naja, egal.

Nach knapp 4 Stunden Gesamtzeit war ich wieder am Fahrrad. Ohne, dass mir mein Knie weh tut. Ein echter Erfolg. 10km und fast 1400hm durchgehalten. Es folgten ca. 15min unspektakuläre Abfahrt mit dem MTB zurück zum Campingplatz.

Abendplanung
Nach einer Packung Lebkuchen, beschloss ich vor dem Duschen noch kurz einkaufen zu fahren. Also den Rucksack ausgeleert, nochmal das MTB gepackt und hoch ins Dorf geradelt. Danach zum Duschen, Nudeln mit veganer Bolognese gemacht, Blog geschrieben, während der Laugenzopf und die Packung Riesen immer weniger werden.


Hochvogel-Parallelen
Insgesamt hat mich die gesamte Tour an die Hochvogel-Tour im Allgäu erinnert. Der Gedanke kam mir am Gipfel und ich konnte natürlich sofort den Hochvogel erkennen. Wirklich weit weg von zuhause bin ich nicht. Dann kam mir auch, warum die beiden Wanderungen so ähnlich sind: Beides sind Bike&Hike Wanderungen (oder man macht sie als normaler Mensch als 2-Tages-Tour, wie auch einige hier am Riffler), beide haben eine Hütte auf dem Weg, die beide einen Namen (keinen Ort) als Name haben: Prinz-Luitpold-Haus am Hochvogel und Edmund-Graf-Haus hier am Riffler. Beide Berge werden ab kurz nach der Hütte technisch schwerer. Ich würde aber sagen der Riffler ist schwerer, weil der anspruchsvolle Streckenabschnitt länger ist, dazu kommt die Höhe von >3000m.

